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Die Geheime Geschichte der Mongolen

20. Februar 2012

Man gönnt sich ja sonst nichts. Und so habe ich mir aus der Bibliothek die Geheime Geschichte der Mongolen in einer Übersetzung (2. Auflage) von 1946 mitgebracht. Abgesehen davon, dass die mongolischen Namen auch ohne Frakturschrift schon komisch genug sind, war die Lektüre recht langatmig.

Im Wesentlichen wird die Geschichte von Dschingis Khans Aufstieg und der Festigung des Mongolenreiches unter Ögödäi (wie man ihn heute schreibt) erzählt. Hierbei ist auffällig, dass zwischen der erzählten Zeit, ca. 1200-1220, und der Zeit der Entstehung des Textes, ca. 1240-1260, nur eine Generation liegt. Diese Zeit hat jedoch schon gereicht, die Geschichte Dschingis Khans zur Geschichte eines mythischen Helden zu machen. Dschingis Khan oder Temudschin, wie er anfangs heißt, wird vaterlos und allein dargestellt, doch er findet Freunde, mit deren Hilfe er Herrscher über alle mongolischen Stämme wird. Der Unterwerfung der Stämme geht immer eine grundlose Aggression gegenüber Dschingis Khan voraus, so dass seine Kriege als gerechtfertigt da stehen.

Ögödäi schließlich gibt dem Mongolenreich seine bürokratische Festigung. Gleichzeitig werden jedoch die Positionen der einzelnen Familien der Helfer Dschingis Khans ebenso wie die Positionen der Stämme in der Staatshierarchie in der Geheimen Geschichte gerechtfertigt und festgelegt.

Diese Festlegung von Hierarchien entweder durch Familienbeziehungen oder durch Bestimmung durch den Herrscher  erinnerte mich an unser Panel auf dem letztjährigen ASEEES-Kongress. Hier wurde darüber diskutiert, dass die Hierarchienbildung der Steppe die Bildung von Hierarchien im Moskauer Reich beeinflusst haben könnte. Auch nach Lektüre der Geheimen Geschichte stehe ich dieser These noch skeptisch gegenüber.

Aber Hierarchienbildung und gleiche Verteilung des Erbes unter Männer ist in vielen Kulturen verbreitet, ohne dass man von einer direkten Beeinflussung sprechen kann. Und auch wenn ich Tendenzen in der Geheimen Geschichte entdeckt habe, die sich im Moskoviter Russland wieder finden, so ist der Beweis eines direkten Einflusses schwierig. Denn die Tendenzen sind so allgemein gehalten, dass sie sich auch unabhängig voneinander entwickelt haben können.

Was Moskau und die Mongolen angeht, so haben wir also noch viel zu lernen. Die Lektüre der Geheimen Geschichte trägt wenig zur Klärung bei, und dies nicht nur, weil sie noch vor der Eroberung der Rus‘ durch die Mongolen spielt.

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