Skip to content

Buchstäblich nichts zu sehen

18. Oktober 2012

Geschichte ist manchmal, weil von vergangenen Ereignissen kaum etwas Sichtbares übriggeblieben ist, schwer zu begreifen. Umso mehr sind die Bemühungen russischer Wissenschaftler zu loben, in schriftlichen Quellen überlieferte Ereignisse tatsächlichen Orten zuzuordnen.

Am letzten Wochenende konnte ich die Ergebnisse dieser Arbeit von russischen Forschern zur Zeit der Wirren (Smuta) auf einer Exkursion von St.  Petersburg in den russischen Norden anschauen.  Akribisch wurde uns beschrieben, wo die Grenze des Ingermanland verläuft: auf einem weiten, buschbestandenen Feld rechts und links der Hauptstraße.

Bei Gorodišče wanderten wir 0,9 km über eine schlammbedeckte Straße, um den Standort eines befestigten Postens im Krieg gegen schwedische Truppen anzusehen. Leider war nichts zu sehen, da das Schlachtgetümmel vor 400 Jahren stattgefunden hat und die Befestigung aus einem Erdwall und Holz bestand. Der Ausblick auf das Tal im nordrussischen goldenen Oktober ist allemal sehenswert.

Gorodisce, Ort der Befestigung

Gorodisce – Exkursionsteilnehmer schauen sich nichts an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gorodisce - Blick über das Tal

Gorodisce – Blick über das Tal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Ort, an dem 1617 der Friedensvertrag zwischen Russland und Schweden unterzeichnet wurde, ist identifiziert worden. Ein Marsch durch die russischen Wälder führt zum Weiler Stolbovo, in dem hilfreiche Bewohner den anmarschierten Historikerinnen und Historikern den Ort zeigen, an dem das Scharmützel stattgefunden hat, und bestätigen, dass keine Massengräber mehr vorhanden sind.

Stolbovo - Ort der Schlacht

Stolbovo – Ort der Schlacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An den Friedensvertrag erinnert noch ein neues orthodoxes Kreuz. (Nicht im Bild.)

Das Wasser aus der Quelle, die unten am Berg entspringt, ist übrigens sehr gesund und mineralienhaltig. Man kann es unbedenklich trinken, wie eine Dorfbewohnerin bestätigt, dies sei wissenschaftlich erwiesen.

Den russischen Kollegen sei hier noch einmal für die kompetente Führung gedankt und dafür, Geschichte – nun, vielleicht nicht anschaulich zu machen, aber doch an bestimmten Orten festzumachen. Auch wenn buchstäblich nichts zu sehen ist.

Advertisements
2 Kommentare
  1. Die Smuta bleibt also … verworren.
    Schöne Bilder, macht Lust auf den russischen Herbst.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Die Unikalität von Staraja Ladoga | Altrussland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: