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Klarstellungen zu Anastasija Romanovna

7. Januar 2013

Der Wikipedia-Artikel zu Anastasija Romanovna, der ersten Ehefrau Ivans IV., des Schrecklichen, ist recht kurz und sehr ungenau.  Zu ihrem Leben wird fast nichts geschrieben, der Bericht über ihren Tod ist eine Verschwörungstheorie.

Ich würde den Artikel gern einmal grundlegend ändern, doch mir fehlt die Zeit, eigene Forschungen  anzustellen. Zu Anastasijas Tod aber ist klarzustellen:

Der Bericht darüber, dass Anastasija vergiftet wurde, stammt einer Quelle, die nur in einer Abschrift aus dem frühen 19. Jahrhundert vorliegt. Die Vergiftungstheorie kann durch keine andere Quelle verifiziert werden.

Was forensische Untersuchungen des 20. Jahrhunderts angeht, so wurden die Knochenüberreste aller im Kreml‘ beerdigten Zarinnen und Zarenkinder, unter ihnen auch Anastasija, untersucht. Im Zuge der Untersuchung wurden die Überreste offensichtlich auch der sogenannten Marsh’schen Probe unterzogen. Diese ist tatsächlich ein Nachweis für Arsen, Antimon und Germanium, und auch Kupferüberreste kann man mit ihr nachweisen. Dies ist der Grund dafür, dass auch Kupfer bei den Analyseergebnissen angegeben wird. Vgl. den Artikel aus der Rossijskaja gazeta.

Einer Vergiftungstheorie entgegen steht die Tatsache, dass in den Überresten aller russischen Zarinnen und Großfürstinnen und auch in denen der früh verstorbenen Kinder Arsen, Antimon, Germanium und Kupfer gefunden wurden. Da wir nicht davon ausgehen können, dass man sich am russischen Zarenhof aus Gewohnheit gegenseitig vergiftete, sollten vor einer weiteren Verbreitung der Vergiftungstheorie folgende Fragen geklärt werden:

– Wie ist die Bodenbeschaffenheit am Begräbnisort? Können die Knochen dort kontaminiert worden sein?

– Wie sind die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern zu erklären? Die Kinderknochen enthalten einen höheren Anteil an Arsen, das im Kinderkörper anders verarbeitet wird als im Erwachsenenkörper. Welche Schlüsse können daraus gezogen werden?

– Im 16. Jahrhundert benutzte man Arsen- und Antimon-haltige Medizin. Sind die Verstorbenen vor ihrem Tod damit behandelt worden? Waren die Dosierungen evtl. tödlich?

Die Beantwortung dieser Fragen erfordert ein interdisziplinäres Forschuntsprojekt, an dem auch Rechtsmediziner und Medizinhistoriker beteiligt werden sollten. Wenn ich irgendwann einmal viel Zeit habe, werde ich die entsprechenden Experten zusammen suchen und die Frage grundlegend erforschen.

Solange dies nicht geschehen ist, sollten wir den Vergiftungsvorwurf eher skeptisch sehen und nicht vorschnell mit Verdächtigungen sein. Zwar haben die Verdächtigungen keine Rechtsfolgen, aber man bekommt sie auch schwer aus der Geschichtsschreibung wieder heraus.

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