Skip to content

Nein, das ist nicht langweilig

22. Januar 2013

Pavel Sedov hat ein Buch über den Untergang des russischen Zartums am Ende des 17. Jahrhunderts geschrieben. Die sich im Titel mitteilende These ist für Historiker der frühen Neuzeit klar: nach der Blüte des Zartums in der Mitte des 17. Jahrhunderts verschwand die alte von Bojaren und Höflingen unterstützte Zarenherrschaft. Peter I. führte mit dem russischen Imperium eine neue Staatsform und eine neue Herrschaftsform, die unumschränkte Autokratie, ein. Wie es vorher aussah, beschreibt Sedov.

Um seine These vom Untergang zu bestätigen, beschreibt Sedov auf breiter Quellenbasis zunächst den Zustand der Moskauer bürokratischen Regierungsform, in der der Zar von Höflingen unterstützt wurde. Schnell wird klar, dass am Moskauer Hof verschiedene Hierarchien miteinander verflochten waren und konkurrierten.

So gab es zum einen eine ziemlich klare Hierarchie der Ämter, die die Höflinge innehaben konnten. Die Ämter konnte jedoch mit dem verwandtschaftlichen Grad der Amtsinhaber  zum Zaren und zu hohen Hofbeamten um Einfluss konkurrieren. Außerdem war jedem Höfling schon aufgrund seiner Geburt in einem der einflussreichen oder weniger einflussreichen russischen Geschlechter ein bestimmter Rang am Hof sicher.

Die Moskauer Bürokratie war wie jede frühneuzeitliche Bürokrati durch einen starken Nepotismus geprägt. Jeder versuchte, sich für einen anderen einzusetzen, um wiederum Gefälligkeiten einfordern zu können. Wie meistens war das Ziel dieses Einsatzes die Bereicherung des Einzelnen.

Um etwas im Moskauer Zartum zu erreichen, hatte man sich der Schriftform zu befleißigen. Es gibt eine ganze Zahl von Bittschriften und Merkzetteln, die Sedov ausgewertet hat, um zu zeigen, wie bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Auch zeigt er, warum Entscheidungen von wem getroffen wurden und wie der Zar versuchte, die Verwaltung effektiver zu gestalten. Hier konnte der Entscheidungsspielraum des Einzelnen hoch sein. Bestimmte Dinge wurden nach dem Beispiel vorangegangener Verfahrensweisen gelöst. Wo man sich unsicher war, wurden der Zar und seine nächsten Ratgeber herangezogen.

Dies alles ist von Sedov sehr gut und beispielhaft u.a. anhand des Archivs des Iverskij-Valdajskij-Klosters belegt, das einen „Agenten“ in Moskau hatte, der über den Stand der einzelnen Eingaben des Klosters an den Zaren berichtete.

Diese Beschreibung der Moskauer Verwaltung am Zarenhof ist alles andere als langweilig zu lesen, und man lernt enorm viel.

Literaturangabe:

Sedov, Pavel V.: Zakat moskovskogo carstva. Carskij dvor konca XVII veka, Sankt-Peterburg 2008

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: