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Geschichten sind langlebig

4. August 2014

Irgendwann musste es einmal sein, und so habe ich in letzter Zeit ein russisches Geschichtswerk gelesen. Es handelt sich um die „Geschichte des Großfürsten von Moskau“, als deren Autor Andrej Kurbskij figuriert.

Dieses Werk hat es in sich, denn es ist nicht unumstritten. Zum einen fragt man sich seit geraumer Zeit, warum das Werk des Fürsten Kurbskij, der in den 1560er Jahren Karriere am Moskauer Hof gemacht hat, erst in einem Manuskript der 1670er Jahre auftaucht.  Dies hat die „Geschichte“ übrigens mit dem Briefwechsel zwischen Zar Ivan IV. und Fürst Andrej Kurbskij gemeinsam, deren früheste Handschriften auf das zweite Viertel des 17. Jahrhunderts datiert werden, also eine Zeit, da Ivan IV. – und wohl auch Kurbskij – schon mehr als ein Vierteljahrhundert lang tot waren.

Zu lesen bekommt man ein Werk, das in neun Teile gegliedert ist und in jedem Teil eine andere Episode der Geschichte der Regierungszeit des Zaren bis etwa 1573 erzählt wird. Diese Geschichte ist gespickt mit dunklen Andeutungen, dass der Zar sich richtig schlimm benommen hat.

Relativ schnell stellt sich heraus, dass Kurbskijs oder Pseudo-Kurbskijs „Geschichte des Großfürsten“ die Grundlage für die heutige Geschichtsschreibung ist. Er teilt die Regierungsgeschichte Ivans in einen erfolgreichen Teil, in dem Kazan‘ und Astrachan‘ erobert wurden, und einen schrecklichen Teil auf, in dem der Zar gegen seine Untertanen und vor allem gegen seine Bojaren vor geht.

Die gute Phase der Herrschaft Ivans ist durch gute Ratgeber wie Sil’vestr und Adašev sowie seine gute Ehefrau Anastasija geformt worden. Die schlechte Phase der Regierungszeit wurde dagegen durch Ivan selbst geformt und seine eigenen Gelüste.

Diese Geschichte bildet die Grundlage der „Pop-Biografie“ Ivans, die ich hier dargestellt habe. Geschichtsschreibung ist wirklich lang anhaltend.

Literatur:

Prince A. M. Kurbsky’s History of Ivan IV, edited with a translation and notes by J. L. I. Fennell, Cambridge 1965

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One Comment
  1. Und was wäre, wenn Anastasia gar nicht so gut war?

    Ich wünsche mir einen Artikel 😉

    Viele Grüße
    vom
    Stückwerk

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