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In Schichten gelagert

13. April 2015

In Luthers Übersetzung der Textstelle des Speisungswunders Jesu heißt es in Markus 6:40: „Und sie setzten sich nach Schichten, je hundert und hundert, fünfzig und fünfzig.“ Heute stellt man sich ein Übereinanderschichten je hundert und hundert etc. schon etwas komisch vor.

In Schichten gelagert waren die Religionen in Osteuropa, wie Christoph Schmidt in seiner Religionsgeschichte Osteuropas darlegt. Über die Jahrhunderte lagerten sich zwar neue Schichten neuer Religionen übereinander, doch Teile der alten Religion blieben erhalten. Sie wurden neben der neuen Religion geduldet oder in sie integriert.

So wurde in Osteuropa der Schamanismus oder Animismus vom Islam überdeckt, dieser vom Christentum und vom Judentum. Die Religionen existierten teilweise nebeneinander, teilweise integrierten sie Bestandteile.

Heraus kommt ein kompliziertes Bild von Religionsgemeinschaften, die vom Staat übernommen wurden oder autonom existierten. Und die immer miteinander in irgendeiner Verbindung standen, weshalb sich immer Teile der einen auch in der anderen finden.

Wie stellt man so etwas in einer Monographie dar? Indem man zunächst mit der ersten Schicht, dem Animismus, beginnt, und dann die anderen, folgenden Schichten einzeln beschreibt. Schließlich aber zeigt Schmidt die Reaktion der verschiedenen Religionsgemeinschaften auf historischen Wandel, die Aufklärung im 18. Jahrhundert und schließlich die Sowjetisierung im 20. Jahrhundert. Und er fasst seine Ergebnisse manchmal sehr prägnant zusammen:

Wie die polnische katholische Kirche in der Sowjetzeit überlebt hat? Ganz einfach, indem sie die Kirche im Dorf gelassen hat. Im Dorf war der Anpassungsdruck an die sowjetische Zeit nicht so ausgeprägt, vielmehr blieb man bei den alten, religiös geprägten Strukturen.

Mit „in Schichten gelagert“ meint Luther übrigens nicht das Übereinanderlegen. Er meint, dass die Menschen, die der Speisung der 5000 beiwohnten, sich zu Tischgemeinschaften zusammenschlossen (je 50 oder 100) und so miteinander aßen. Auch eine Art der Vermischung, wie die Religionen in Osteuropa.

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