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Flüchtlinge und ihre Heimat

29. September 2016

Im alten Russland hatten es Flüchtlinge sehr schwer. Viele Moskoviter wurden im 17. Jahrhundert in Kriegen und bei Überfällen von Türken oder Tataren gefangen genommen. Sie landeten auf den Sklavenmärkten des Mittelmeeres und wurden im Osmanischen Reich verkauft. Dort lebten sie unter unterschiedlichen Herren und mussten mal hart, mal weniger hart arbeiten.

Die meisten Sklaven wurden von den Türken nicht gezwungen, das Christentum aufzugeben und Muslime zu werden. Für Manche ergab sich jedoch durch den Übertritt zum Islam die Möglichkeit, sozial und finanziell aufzusteigen. Dies war natürlich durchaus ein Anreiz, in einer stark durch fremde Sitten und Gebräuche geprägten Gesellschaft heimisch zu werden und auch eine fremde Religion mit fremden Gebräuchen anzunehmen.

Häufig aber blieben die Sklaven Christen und versuchten sogar, die orthodoxen Bräuche wie das Fasten am Mittwoch und Freitag und den Besuch des orthodoxen Gottesdienstes einzuhalten.

Und manche der Sklaven wurden von der Regierung des Zaren freigekauft oder flohen nach 10 oder 20 Jahren im Osmanischen Reich und kehrten nach Moskovien zurück. Hier stellten sie fest, dass sie vom Regen in die Traufe kamen.

Sie wurden nach Moskau gebracht und der Verwaltung des Patriarchen vorgestellt, die wiederum eindringliche Interviews führt. Im Wesentlichen ging es darum, ob die ehemaligen Sklaven und jetzigen Flüchtlinge in irgendeiner Weise vom orthodoxen Glauben abgelassen hatten. Hierbei wurden sie sogleich unter den Generalverdacht der Apostasie gestellt. Niemand in der patriarchalen Verwaltung konnte sich vorstellen, dass man so lange Zeit im Osmanischen Reich leben konnte, ohne dass man die Orthodoxie verließ.

Die Flüchtlinge versuchten nun auf unterschiedliche Weise ihr Schicksal zu schildern und ihre Handlungen zu rechtfertigen oder aber ihren etwaigen Übertritt zum Islam kleinzureden. Die hier entstandenen Narrative sind deshalb interessant zu lesen.

Glaubte man ihnen in Moskau, wurden sie für eine Zeit der Buße in ein Kloster überstellt und durften danach wieder arbeiten. In schwereren Fällen der Apostasie wurden die Rückkehrer kurzerhand neu getauft.

Das Leben zurückgekehrter Flüchtlinge in Moskovien war also ebenso hart wie ihr Leben als Sklaven, Zwänge wurden ständig ausgeübt.

Es wäre interessant einmal zu schauen, wie viele Flüchtlinge unter solchen Voraussetzungen tatsächlich zurückkehrten und wie viele Sklaven im Osmanischen Reich verblieben und es multiethnischer machten als wir uns heute klar machen.

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